Materielles Kulturerbe besser erhalten und verwerten: Fortbildungsprogramm für Kulturerbe-Manager*innen online

In Erhaltungsmaßnahmen im Kulturerbe sind in der Regel viele verschiedene Fachdisziplinen gefordert: Historiker*innen, Restaurator*innen, Handwerksleute. Doch die Verständigung in der interdisziplinären Zusammenarbeit kann schwierig sein, vor allem dann, wenn Fachleute hinzugezogen werden müssen, die nicht täglich mit dem Kulturerbe zu tun haben wie Expert*innen aus dem Energiebereich, der Regionalplanung oder dem Tourismus. Deshalb erarbeitete ein interdisziplinäres Team aus den Arbeitsbereichen Kunst- und Baugeschichte, Regional- und Kommunalplanung, Fortbildung und Kulturmanagement ein Fortbildungsprogramm, das vor allem jungen Kulturerbe-Manager*innen Hilfestellung geben soll. Ermöglicht wird das durch das europäische Projekt HERITAGE-PRO.

Inzwischen sind 5 interdisziplinär ausgerichtete Fortbildungsmodule veröffentlicht. Sie sind ein Beitrag zur nachhaltigen Erhaltung und Bewirtschaftung des europäischen Kulturerbes. Koordiniert wird HERITAGE-PRO von einer deutschen Einrichtung: Kultur und Arbeit e.V. (Bad Mergentheim) arbeitet dabei mit Einrichtungen und Expert*innen aus sechs Ländern zusammen.

Die Fortbildung wendet sich an Kulturerbe-Manager*innen von Baudenkmalen wie Gebäude oder archäologische Stätten, aber auch an Verwalter*innen beweglicher Objekte, beispielsweise in Bibliotheken oder Museen. Das Besondere daran: „Sie bietet Hilfestellung speziell für interdisziplinäre Erhaltungsprojekte, die viele unterschiedliche Erfahrungen und Fachgebiete unter einen Hut bringen müssen“, so Projektleiterin Dr. Karin Drda-Kühn.

Die Fortbildung ist als berufsbegleitender Selbstlernkurs angelegt, kann aber auch von Bildungseinrichtungen als Kurs übernommen werden. Bis Ende des Jahres werden die Fortbildungsmodule durch weitere Materialien wie einem Handbuch zur Umsetzung und einem Vorlagen-Set für wiederkehrende Prozesse und Aufgaben ergänzt.

Fünf wichtige Themen im Kulturerbe-Erhalt

Das Fortbildungsprogramm besteht aus fünf Modulen, die sich mit den Themen

1. Globale Herausforderungen und Chancen im Bereich des Kulturerbes

2. Effiziente Teamarbeit und effektive interdisziplinäre Konfliktlösung;

3. Inwertsetzung des Kulturerbes

4. Bürgerschaftliche Partizipation im Kulturerbe-Erhalt und

5. Effektive Kommunikation in einem interdisziplinären Umfeld

befassen. Es wurde in den letzten Monaten von rund 25 Kulturerbe-Expert*innen aus sechs europäischen Ländern auf Relevanz der Inhalte und Praktikabilität der Übungen bewertet – und für gut befunden. In erster Linie wendet sich das Fortbildungsprogramm an junge Manager*innen in den ersten Jahren der Berufstätigkeit, „aber unsere Tester*innen waren durchweg der Meinung, dass auch sehr erfahrene Manager*innen darin viele Anregungen und neue Instrumente finden werden“, so Karin Drda-Kühn.

Anhand von Informationen, Beispielen und Übungen geht es darin z. B. um die absehbaren klimatischen oder organisatorischen Herausforderungen, die auf Kulturerbe-Manager*innen zukommen, um Konfliktbewältigung in interdisziplinären Teams oder darum, wie die Bürger-schaft in Erhaltungsmaßnahmen eingebunden werden kann.

Die Module sind online und kostenfrei in englischer und deutscher Sprache verfügbar: https://heritage-pro.eu/de/trainingsmodule/. Eine spanische und schwedische Version werden demnächst vorliegen.

Förderung für europäischen Ansatz

“HERITAGE-PRO – Interdisciplinary Training for Professionals of Different Disciplines Towards Sustainable Management and Preservation of Cultural Heritage – Interdisziplinäre Fortbildung für Fachkräfte unterschiedlicher Disziplinen zur nachhaltigen Erhaltung und Bewirtschaftung des Kulturerbes” ist eine transnationale Initiative, die durch das europäische Bildungsprogramm ERASMUS+ unterstützt wird. Das Konsortium – bestehend aus sechs europäischen Partnern aus Deutschland, Spanien, Österreich, Schweden und einem europäischen Netzwerk – kommt damit der anhaltenden Forderung nach einer interdisziplinären Aus- und Fortbildung von Fachleuten verschiedener Disziplinen für die nachhaltige Verwaltung und Erhaltung des Kulturerbes nach.

Mehr: https://heritage-pro.eu ; https://www.facebook.com/heritageproproject

Kontakt: Dr. Karin Drda-Kühn, Tel. 07931 56 36 374,
heritage-pro@kultur-und-arbeit.de

Dietmar Wiegand, Geschäftsführer
des Institut für immobilienwirtschaftliche Forschung (IPRE)

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